Der wahre Zweck hinter den mit Windows mitgelieferten Spielen

By Wolfgang Keller
Originally written 2018-04-21
Last modified 2018-05-15

Viele Menschen denken, dass die mit Microsoft Windows mitgelieferten Spiele, wie

der reinen Unterhaltung der PC-Nutzer dienen. Mitnichten. Der Artikel http://mentalfloss.com/uk/technology/32106/the-true-purpose-of-solitaire-minesweeper-hearts-and-freecell analysiert den wahren Zweck hinter diesen Spielen. Im Folgenden eine um persönliche Bemerkungen erweiterte Zusammenfassung.

Solitär (Solitaire) wurde mit Windows 3.0 eingeführt. Zu dieser Zeit arbeiteten die meisten PC-Nutzer noch mit MS-DOS (zum Erscheinungsdatum von Windows 3.0 war dies MS-DOS 4.0/4.01). Die Nutzer waren es also gewohnt auf der Kommandozeile zu arbeiten, während es nicht vorausgesetzt werden konnte, dass sie sicher in der Benutzung einer Maus waren - insbesondere in Bezug auf „fortgeschrittene“ Maustechniken wie Drag & Drop. Hier kommt genau Solitär ins Spiel: Zum Bewegen der Karten musste man diese Drag & Drop bewegen - somit wurde diese zur Bedienung von Windows essentielle Technik über Solitär als Hintertür beigebracht.

Minesweeper wurde mit Windows 3.1 eingeführt. Der Zweck liegt ebenfalls in der Erlernung von Maustechniken - diesmal der sicheren Verwendung der rechten Maustaste. Es ist auch vorstellbar, dass dies auch deswegen Microsoft ein Anliegen gewesen sein könnte, als dass unter Mac OS historisch keine rechte Maustaste verwendet wurde, um so aufzuzeigen, „wie viel mehr Windows doch kann“.

Hearts wurde mit Windows for Workgroups 3.1 veröffentlicht - die erste Windows-Version mit nativer Netzwerkunterstützung. In diesem Spiel konnte man mittels Microsoft damals neuer NetDDE-Technologie auch gegen andere Spieler im lokalen Netzwerk spielen. Also auch hier wieder: Hearts war eine Hintertür, um Nutzer von Windows auf die Netzwerk-Fähigkeiten ihres neuen Betriebssystems aufmerksam zu machen.

FreeCell wurde als Teil von „Microsoft Entertainment Pack Volume 2“ für Windows 3.1 veröffentlicht und wurde außerdem mit Win32s gebündelt. Wir erinnern uns: Mit Windows NT wurde die 32-Bit-API Win32 eingeführt. Bevor diese auf eine mit Windows 95 auf eine deutlich größere Masse von Anwendern losgelassen wird, ist es sicherlich sinnvoll, erst einmal einen großflächigen Test durchzuführen. Hierzu wurde mit Win32s (das „s“ steht für „subset“) eine Laufzeitumgebung veröffentlicht, die unter Windows 3.1 und Windows 3.11 installierbar war und unter der man 32-Bit-Anwendungen, welche sich auf dieses Subset an Funktionalität (gegenüber Windows NT) beschränkten, in vielen Fällen ausführen konnte. Wie könnte man also Massen an Anwendern davon überzeugen, für Win32s Tester zu spielen? Die Antwort sollte offensichtlich sein: Man liefert ein Spiel aus. Dieses Spiel ist, ich habe es schon erwähnt, FreeCell.

Bezüglich InkBall: Mit der 2005 erschienenen (und letztes Endes kommerziell wenig erfolgreichen) „Windows XP Tablet Edition“ bekam Windows erstmals offizielle Unterstützung für Tablets, die mit einem Stylus bedient werden konnten (beispielsweise für handschriftliche Notizen). Was gibt es also sinnvolleres, um Nutzer an diese neue Funktionalität zu gewöhnen, als ein neues Spiel einzubauen, in dem diese Verwendung findet? Die Rede ist natürlich von InkBall (welches in obigem Artikel keine Erwähnung findet). Dieses Spiel wurde in besagter „Windows XP Tablet Edition“ und in Windows Vista (bei letzterem mit Ausnahme der Starter und Home Basic Editions) mitgeliefert.

2012 erschien Windows 8, welches keines der Windows-Spiele mehr mitlieferte. Selbstverständlich konnte man die Spiele bekommen - über den bei Windows 8 neu eingeführten Microsoft Store. Was für eine bessere Gelegenheit könnte es geben, Nutzer auf diesen aufmerksam zu machen. Es gab allerdings einen Pferdefuß: Standardmäßig gab wurde in diesen Spielen von nun an Werbung angezeigt. Gewiss konnte man diese beseitigen: Man musste dann im Microsoft Store bezahlen. Sind die Windows-Spiele somit nicht eine guter Anlass, Nutzer an das Bezahlen für Anwendungen im Microsoft Store zu gewöhnen?

Schließlich mit Windows 10 wurde Solitär wieder mitgeliefert. Doch auch hier gab es einen Haken: Sobald man in der Suchleiste den Namen eines der anderen (nicht mitgelieferten) Windows-Spiele eintippt, werden Suchresultate für die Suche im Microsoft Store angezeigt. Könnte die Absicht dahinter etwa sein, dass der Nutzer lernen soll, mit dem Microsoft Store umzugeben, insbesondere nach für ihn interessanten Anwendungen zu suchen?

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