Gerechtigkeit

By Wolfgang Keller
Originally written 2019-01-10
Last modified 2018-04-10

Liebe Journalisten, Moderatoren, Politiker und Medienmacher,

statt immer nur in euren Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen, Reden) von „Gerechtigkeit“ zu reden/schreiben, solltet ihr doch lieber erst einmal definieren, was ihr überhaupt darunter verstehen wollt. Es hat gute Gründe, warum beispielsweise in mathematischen Texten eines entsprechenden Themengebiets fast immer am Anfang erwähnt wird, ob wir bei Ringen ein Einselement voraussetzen wollen oder nicht. Einfach, weil hier unterschiedliche Konventionen (für jede gibt es gute Gründe) üblich sind. Und das bei einem äußerst simplen mathematischen Objekt. Wie sieht es dann erst bei einem stark politisierten Begriff wie „Gerechtigkeit“ aus, zu dem wohl viele der über 81 Millionen in Deutschland lebenede Menschen in Ermangelung einer existierenden formalen Definition zueinander sehr widersprüchliche eigene Vorstellungen haben?

Da eine solche Definition eigentlich nie zu Anfang des Artikels/Beitrags oder der Rede zu finden ist, muss ich daher eure (in meinen Augen viel zu häufig aufgeworfene) rhetorische Frage „Ist das gerecht?!“ klar mit einem „Das ist leider aufgrund der Nicht-Definiertheit des Wortes ‚gerecht‘/‚Gerechtigkeit‘ nicht beantwortbar.“ kontern. Direkter ausgedrückt: Das ist, wie wenn ich die Frage stelle: „Ist ein Salzpfeifer ein Vogel?“. Auch diese Frage ist nicht beantwortbar, da ich gar nicht angegeben habe, was ein „Salzpfeifer“ überhaupt ist (den Begriff habe ich mir wohl genauso spontan ausgedacht, wie die entsprechenden Medienmacher/Politiker den zu ihrem Narrativ passenden Gerechtigkeitsbegriff).