Fachkräftemangel

By Wolfgang Keller
Originally written 2019-04-30
Last modified 2019-07-07

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Perspektive 1: Fachkräftemangel - ein Märchen der Wirtschaftsverbände?

Originally written 2019-04-30

Eine gerne geäußerte Meinung zum Thema „Fachkräftemangel“ ist, dass die Behauptung, es gebe zu wenig Fachkräfte in gewissen Bereichen, von Arbeitgeberverbänden in den Medien verbreitet wird, in der Hoffnung, dass dadurch mehr Menschen eine Ausbilung/ein Studium in dem Bereich anfangen, auf dass Arbeitgeber mehr Auswahl bei Bewerbern haben, was nach dem Marktgesetz von Angebot und Nachfrage zu sinkenden Gehältern führt. Also mit anderen Worten kurz zusammengefasst: Man propagiert einen Fachkräftemangel, um auf lange Sicht die Gehälter zu drücken.

Folgende Gegenhypothese: Könnte es nicht sein, dass entsprechende Absolventen aufgrund der Tatsache, dass sie sich in einem Mangelfach wähnen, deutlich selbstbewusster in Gehaltsverhandlungen auftreten und dadurch die Gehälter in den entsprechenden Bereichen steigen? Sollte also an diesem „Arbeitgeber-wollen-Gehälter-drücken“-Postulat etwas dran sein, so ist es nicht unplausibel, dass dieser Effekt somit möglicherweise ins Gegenteil umschlagen könnte.

Perspektive 2: Permanente Hypes

Originally written 2019-05-27

Gerade im Informatik-Bereich ist es meines Erachtens so, dass in einer permanenten Regelmäßigkeit neue Hypes als Säue/Sauen durch das Dorf getrieben werden. Das Problem: Es ist im Allgemeinen erst nach ein paar Jahren erkennbar, ob dieser Hype von Bestand ist oder wieder gar zu schnell in der Versenkung verschwindet. Ergo wird man erst, wenn die Zukunftfähigkeit abzusehen ist, beginnen, sich in das entsprechende Thema einzuarbeiten - also erst nach ein paar Jahren. Die einzige Ausnahme ist wohl die, dass man sich selbst aus privaten Gründen sehr für das besagte Thema begeistert.

Das bedeutet naturgemäß, dass erst nach ein paar Jahren, nachdem ein Hype durch die Medien zieht, mehr Menschen als ein paar „Early Adaptors“ beginnen werden, sich in das gehypte Thema einzuarbeiten. Was das für die Verfügbarkeit von Experten des entsprechenden Gebiets auf dem Arbeitsmarkt bedeutet, die außerdem auch noch den Wunsch verspüren, sich woanders zu bewerben, kann man sich leicht zusammenreimen.

Perspektive 3: Ablehnen geeigneter Bewerber

Originally written 2019-07-07

Wenn man viel Zeit in eine angemessen gestaltete Bewerbung investiert hat, aber im Bewerbungsprozess abgelehnt wurde, wird man, wenn man in Zukunft nochmal eine Stellenanzeige des selben Unternehmens findet - selbst, wenn diese interessant aussieht und in einer ganz anderen Abteilung desselben Unternehmens angesiedelt ist - deutlich weniger geneigt sein, nochmals den Aufwand in eine Bewerbung zu investieren.

Kein Wunder, dass sich unter solchen Umständen Unternehmen darüber wundern, dass sich auf ihre Stellenanzeigen viel zu wenige geeignete Menschen bewerben.

Was ein Unternehmen gegen dieses Problem tun könnte/sollte, ist folgendes: Wenn das Unternehmen einen Bewerber ablehnt, der durchaus für die Stelle geeignet wäre, aber im Rahmen des Bewerbungsprozesses ein noch besserer Kandidaten gefunden wurde, so sollte es (mit Einverständnis des Bewerbers) dessen Kontaktdaten speichern, um auf ihn/sie direkt zukommen zu können, falls eine Stelle frei wird, für die es die entsprechende Person gerne einstellen würde.

Dies würde das Unternehmen deutlich attraktiver für potentielle Bewerber machen, da diese sich sicher sein können, dass der Zeitaufwand für die Bewerbung auch dann nicht vergebens war, wenn sie die Stelle nicht bekomen.